Siebenschläfer in der Höhle


Siebenschläfer-Höhle
Ein kleiner Siebenschläfer schaut aus seiner Höhle
Gouache auf Aquarell-Papier - Din A4 - ca. 3 Stunden


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Kürzlich hatten wir Besuch von einem kleinen Siebenschläfer. Den wollten wir natürlich nicht auf Dauer in unserem Haus beherbergen. Also galt es, ihn wieder zu verscheuchen. Der kleine Kerl war aber sehr clever und flitzte von einem Versteck zum nächsten. Daher tourten wir gemeinsam durch unser ganzes Haus, bis er endlich durch den extra weit geöffneten Hinterausgang entkam.

Mir gefiel der kleine Wicht so gut, dass ich mir überlegte, ein Bilderbuch darüber zu schreiben und zu malen. Erst habe ich die Geschichte aufgeschrieben, aus der sicht des Siebenschläfers, der die merkwürdige Welt der Ungeheuer (Menschen) nicht so ganz versteht. Ein Titelbild habe ich auch gemalt, mit Gouache-Farben. Mir wurde aber klar, dass es sehr viel Zeit verschlingen würde, die ganze Geschichte zu illustrieren - mehr Zeit als ich zur Verfügung habe. Daher belasse ich es erst mal bei diesem Titelbild und der Geschichte, die Ihr hier lesen könnt.

Der kleine Siebenschläfer und sein großes Abenteuer

Fritz, ein kleiner Siebenschläfer lebte in einer schönen Höhle in einem Mirabellenbaum. Mit ihm lebten dort seine Mutter und seine vier Geschwister. Anfangs war die Höhle im Baum geräumig mit genug Platz für die ganze Familie gewesen. Doch Fritz und seine Geschwister wuchsen schnell und es wurde allmählich eng in der Höhle.

Die Mutter sprach also zu den Kindern: "Ihr Lieben, bald seid Ihr groß genug, um Euch einen eigenen Platz zum Leben zu suchen. Hier in diesem Garten gibt es viele herrliche Plätze. Aber geht bloß nicht zu diesem riesigen blauen Kasten, der mitten im Garten steht. Dort leben gigantische Ungeheuer, die uns fressen wollen. Passt auch im Garten auf, dass die Ungeheuer Euch nicht sehen und einfangen. Immer schön verstecken."

Das hörten sich die Kinder an und die Geschwister von Fritz drängten sich eng zusammen und quiekten beim Gedanken an die schrecklichen Ungeheuer. Fritz quiekte auch, aber vor lauter Abenteuerlust und Tatendrang. Denn Fritz war von allen fünf Kindern bei weitem das abenteuerlustigste.

Natürlich sagte Fritz zu seiner Mutter, dass er gut aufpassen würde und vorsichtig wäre, als er sich verabschiedete, um nach einer Höhle für sich zu suchen.

Aber insgeheim zog es Fritz wie mit magischer Kraft zu dem blauen Kasten, der oben spitz und rot war. Er hatte schon öfter gesehen, dass die Ungeheuer in diesen Kasten rein gingen und wieder raus kamen. Wahrscheinlich war der Kasten die Höhle der gefährlichen Ungeheuer. Wenigstens mal anschauen könnte er sich diesen verbotenen Riesen-Kasten.

Hurtig kletterte Fritz vom Mirabellenbaum und rannte erst einmal kreuz und quer durch den Garten, damit seine Mutter und die Geschwister nicht sehen konnten, dass er sich dem blauen Kasten näherte. Hier draußen war es kalt und feucht, sodass es Fritz nur so schauderte. Er war auch hungrig, denn er hatte vergessen in der Familienhöhle zu essen. Wie ungemütlich es hier draußen war. Schließlich fühlte Fritz sich unbeobachtet und näherte sich vorsichtig dem Kasten. Schöne Pflanzen wuchsen an dem Kasten nach oben. Die konnte Fritz prima als Leiter benutzen. In Windeseile hatte er den oberen Bereich des Kastens erreicht, dort wo das Rote anfing. Dann sah er ein ganz merkwürdiges Ding: Fritz konnte durch schauen und sah ins Innere des Kastens, aber er konnte nicht durch rennen. Was das wohl war? Sehr wundersam. Neben dem durchsichtigen Ding entdeckte Fritz schließlich eine schmale Spalte, durch die er ins Innere des Kastens springen konnte. Durch die Spalte strömte kuschelig warme Luft und es duftete nach den schönsten Leckereien. Fritz Magen meldete sich knurrend. Wie schön es wäre, wenn er diese wunderbar duftenden Köstlichkeiten aus dem Riesen-Kasten finden könnte. Erst zögerte Fritz noch ein wenig. Sollte er das wirklich tun? Obwohl die Mutter es verboten hatte? Aber schon nach wenigen Sekunden hatte sich Fritz entschieden, das Abenteuer zu wagen. Welche Herrlichkeiten mochten in diesem Riesenkasten auf ihn warten?

Ein kurzer Sprung und Fritz hatte das Innere des Kastens erreicht. Er landete auf einer sehr weichen Oberfläche. Das war so weich und flauschig, dass Fritz sich am liebsten reingekuschelt hätte, wenn es nur nicht so stark nach Ungeheuer gerochen hätte. Darum sprang Fritz schnell weiter. Das war ihm nun doch zu gefährlich.

Sehr wundersame Dinge entdeckte Fritz. Flache Kästen mit bunten Farben oben drauf. Kästen aus denen flauschige Dinge raushingen, in der Farbe wie Wolken. Viele, viele Kästen in den verschiedensten Größen. Diese Ungeheuer schienen Kästen sehr zu mögen. Alles was Fritz sich anschaute roch mehr oder weniger stark nach Ungeheuer. Darum zog es ihn weiter. Es konnte ja nicht alles voller Ungeheuer-Geruch sein in diesem Riesenkasten, schließlich hatte es durch den Spalt sehr verlockend gerochen. Gerade wollte Fritz einen sehr merkwürdig gefärbten Baumstamm runter klettern, als er plötzlich abrutschte und unter großem Gepolter auf einem Boden landete.

Au weia. Das war laut gewesen. Hoffentlich hatten die Ungeheuer das nicht gehört. Doch das hörte er schon das enorme Poltern, das das Nähern eines Ungeheuers ankündigte. Oh je, oh je. Fritz rannte schnell unter einen der vielen Kästen, aber das Ungeheuer hatte ihn anscheinend entdeckt, denn es stieß laute Töne aus. Es klang wie: "Oh, ein Siebenschläfer. Den muss ich unbedingt fangen und raus bringen." Leider verstand Fritz nicht, was diese Laute bedeuteten, aber es konnte kaum etwas Gutes sein. Bestimmt wollte das Ungeheuer ihn fangen und fressen.

Fritz verkroch sich ganz weit hinten unter dem Kasten und hielt mucksmäuschenstill. Vielleicht würde das Ungeheuer ihn vergessen, wenn er ganz ruhig war. Aber das Ungeheuer kam immer näher und näher. Es beugte sich sogar soweit runter, dass es unter den Kasten schauen konnte. Dabei schaute er Fritz genau ins Gesicht.

Das war zu viel. Fritz rannte um sein Leben. Er schoss unter dem Kasten hervor, und dann rannte er quer durch den ganzen Raum bis ans andere Ende, wo er sich eilends unter einem anderen Kasten versteckte. Fritz kroch ganz nach hinten und duckte sich an den Boden. Er war schon ganz außer Atem, aber er versuchte, so leise zu atmen wie er konnte. Das Ungeheuer hatte ihn noch nicht entdeckt in seinem neuen Versteck. Vielleicht hatte Fritz Glück und das Ungeheuer vergaß ihn wieder. Aber die Schritte des Ungeheuers rumpelten ohrenbetäubend und kamen näher.

Auf einmal schien eine helle Sonne grell in die Augen von Fritz. Die Hand des Ungeheuers schob sich unter das Versteck und in dieser Hand hielt das Ungeheuer einen Stock aus dem hellen Licht schien, wie eine kleine Sonne. Das helle Licht schmerzte Fritz in den Augen. Schon wieder hatte das Ungeheuer ihn entdeckt.

Dann kam auch noch ein zweites Ungeheuer dazu. Es stand mit breiten Beinen mitten im Weg und hielt einen langen Ast in der Hand. Der Fluchtweg für Fritz war abgeschnitten.

Aber Fritz hatte schon gemerkt, dass die Ungeheuer langsam waren, viel langsamer als er. Darum überlegte er sich, ob er wohl an den Ungeheuern vorbei rennen könnte, um zu flüchten. Die Chancen stehen gut, dachte sich Fritz und rannte so schnell er konnte zwischen den Beinen des zweiten Ungeheuers durch.

Das zweite Ungeheuer drehte sich um und machte Töne, die klangen wie: "Oh Mist, da ist er hingelaufen. Ich habe ihn verpasst." Das war bestimmt eine gefährliche Kampfansage, dachte sich Fritz.

Fritz kam zu einem sehr merkwürdigen breiten Ast, der viele harte Kanten hatte und nach unten führte. So einen Ast hatte er noch nie gesehen, aber er flitzte an diesem Ast entlang, bis er unten ankam.

Es rumpelte laut und das erste Ungeheuer kam hinterher. Fritz war in Panik, denn dieser Teil des Riesen-Kastens war ganz leer. Am hinteren Ende kam Fritz in einen noch seltsameren Kasten, der aus kalten, weißen Steinen bestand und sehr merkwürdig roch. Fritz blieb nichts anderes übrig als sich hinter einem der weißen Steine zu verstecken. Aber das Ungeheuer hatte ihn gesehen und kam hinterher - ganz nah. Es knallte und die große Klappe, durch die Fritz in den weißen Kasten gekommen war, war plötzlich zu. Der Fluchtweg war schon wieder abgeschnitten, diesmal endgültig.

Fritz versuchte, dem Ungeheuer zu entkommen, aber hier gab es wirklich keine guten Verstecke. Das Ungeheuer kam immer näher und plötzlich war Fritz in einer Höhle gefangen. Er konnte durch die Wände der Höhle durchschauen, aber er konnte nicht entkommen.

Dann bewegte sich diese merkwürdige Höhle auch noch. Fritz schwebte in der Höhle in der Luft, als wäre er auf einen kleinen Baum geklettert. Das Ungeheuer hielt die Höhle fest und bewegte sich mit ihr in den kahlen Raum und dann in den Raum, in dem es lecker roch. Von hier waren wohl die köstlichen Düfte gekommen, die Fritz in den Riesenkasten gelockt hatten. Aber Fritz saß fest, gefangen in der merkwürdigen Höhle.

Fritz sprang immer wieder nach oben. Vielleicht könnte er ja entkommen. Oben schien die Höhle nicht so gut verschlossen zu sein wie rundherum.

Mit aller Kraft sprang Fritz immer wieder nach oben, denn er ahnte, dass das Ungeheuer ihn jetzt gleich fressen würde, wenn er nicht flüchten konnte. Da plötzlich gab der obere Teil der merkwürdigen Höhle nach und Fritz landete unsanft auf dem Boden. In aller Eile rannte Fritz unter eines der Verstecke, die es hier gab. In der Ferne konnte er eine Öffnung in der Riesenkiste sehen, die wohl nach draußen führte. Da musste er hinkommen, dann wäre er gerettet. Aber bestimmt würden die Ungeheuer ihn auf dem Weg zur Öffnung einfangen und fressen. Das konnte nur eine Falle sein.

Fritz hörte wie das erste Ungeheuer Töne von sich gab, die klangen wie: "Wir müssen den Kleinen aus der Küche jagen, damit er nach draußen rennt." Fritz verstand natürlich gar nichts, aber er dachte sich, dass die beiden Ungeheuer jetzt einen Plan schmiedeten, wie sie Fritz davon abhalten konnten durch die Öffnung zu entkommen.

Also rannte Fritz zu einem anderen Versteck. Weil er unter den Verstecken schon mehrmals entdeckt worden war, kletterte hinten zwischen dem Versteck und der Wand des Riesenkastens nach oben. Der Spalt war gerade groß genug, dass Fritz sich dort festklemmen konnte. Hier würde ihn bestimmt niemand finden.

Das Rumpeln und Poltern der Ungeheuer war aber beängstigend. Fritz fürchtete sich, wie er sich noch nie zuvor gefürchtet hatte. Da plötzlich näherte sich das zweite Ungeheuer und leuchtete erst unter dem Versteck mit einer kleinen Sonne. Dann hob das Ungeheuer die Sonne an, sodass das Licht immer näher zu Fritz kam. Jetzt konnte Fritz das Ungeheuer auch besser erkennen. Es unterschied sich vom ersten Ungeheuer vor allem durch sein Fell. Das Fell war lang und an den Seiten sammelte es sich zu kleinen Ästen. Sehr wundersam und sehr erschreckend. Das Ungeheuer stieß Töne aus, die klangen wie: "Och wie süß der Kleine ist!" Das klang schrill und Fritz war sich sicher, dass dies der endgültige Kampfruf war, um Fritz zu fangen und zu fressen.

Also nahm Fritz seinen ganzen Mut zusammen und rannte so schnell er konnte zu der großen Öffnung. Tatsächlich erreichte er die Öffnung unbehelligt. Hinter ihm wurde die Öffnung zugeschlagen. Diese Ungeheuer waren wirklich langsam und ziemlich dämlich. Sie hatten Fritz einfach so entkommen lassen und verfolgten ihn nicht einmal.

Fritz eilte zu einem kleinen Gebüsch, wo er sich versteckte. Er zitterte am ganzen Körper und brauchte eine ganze Weile, um sich wieder zu beruhigen. Beinahe wäre er von den Ungeheuern gefressen worden. Es war gerade noch einmal gut gegangen. Nie wieder würde er in diesen großen Kasten klettern.

Als Fritz sich wieder beruhigt hatte, lief er zur heimischen Höhle im Baum. Dort saßen seine Mutter und seine Geschwister und kuschelten sich gemütlich aneinander.

"Ihr ahnt nicht, was für ein Abenteuer ich erlebt habe", fing Fritz an zu erzählen. "Mutter, Du hattest ganz Recht mit Deiner Warnung: In dem Riesen-Kasten wohnen gefährliche Ungeheuer. Es tut mir leid, dass ich nicht auf Dich gehört habe." Fritz erzählte das ganze Abenteuer, dass er im Riesenkasten erlebt hatte. Dabei schmückte er die Geschichte noch etwas aus und schilderte die Ungeheuer als langzähnige, blutrünstige Monster. "Aber ich war schneller und schlauer als die Ungeheuer, sonst wäre ich gefressen worden. Ihr solltet wirklich nicht in die Nähe des Riesenkastens gehen und Euch vor den Ungeheuern hüten. Mutter hatte völlig Recht damit, uns vor dem Riesenkasten und den Ungeheuern zu warnen. Morgen suche ich mir eine schöne Höhle in einem Baum, ganz so, wie es bei uns Siebenschläfern üblich ist."

Dann stärkte sich Fritz an den leckeren Mirabellen, die die Mutter und seine Geschwister in der Zwischenzeit gesammelt hatten.

Fritz fühlte sich heldenhaft und um eine wichtige Erfahrung reicher.

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